Versteigerung in Aalsmeer - Holland


Viele der in Österreich verkauften Schnittblumen kommen von den Niederlanden. In Aalsmeer, z. B., rund 20 km südwestlich von Amsterdam, befindet sich die Blumenhauptstadt der Welt. Es ist die eigentliche Wall Street der Schnittblumen und Topfpflanzen. Das Gebäude, wo diese gehandelt werden, ist riesig. Die Hallenfläche der Genossenschaft Flora Holland hat in etwa das Ausmass des Kleinstaates Monaco. Es weist eine Länge von einem Kilometer auf - und das Gebäude wird laufend erweitert.
Die an der Auktion verkauften Mengen sind beeindruckend. 2017 wurden nicht weniger als 11,7 Mrd. Schnittblumen oder Topfpflanzen versteigert. Die Anlieferung der Blumen in die rund 1 Million m² große Halle durch die Blumengärtner erfolgt ab 16 Uhr und endet am frühen Morgen. Die Blumen werden in einen Wassereimer gestellt und je nach Blumensorte gekühlt oder in einen geheizten Raum gestellt. 60 % der Blumen stammen aus den Niederlanden, viele Blumen werden aber auch aus Kenia, Äthiopien oder Ecuador nach Aalsmeer geflogen.
Um 4 Uhr startet jeweils die Auktion. Ziel ist es natürlich, sämtliche Posten zu versteigern. Das ist der Job der Händler. Diese kaufen im Auftrag von Detailhändler, Blumenketten oder anderen übrigen Wiederverkäufern ein. Innerhalb weniger Sekunden werden die Blumen auf mehreren Versteigerungsuhren an die Frau oder an den Mann gebracht. Der Zeiger beginnt bei einem hohen Cent-Wert und läuft in raschem Tempo gegen Null zu - so lange, bis ein Bieter zuschlägt. Ist dies nicht der Fall, werden die Blumen vernichtet. Dies kommt aber nur bei 0,5% der Fälle vor.
Alle drei Sekunden ist eine Auktionsrunde beendet, Einstiegspreise und Sorten wechseln ebenso schnell. Die Händler sind entweder vor Ort in Aalsmeer - oder -  immer  mehr - an den Computern in aller Welt. Imposant: Über die insgesamt vier Handelsplätze von Flora Holland laufen 40% des weltweiten, sowie 60% des europäischen Marktes. 
Ist die Auktion beendet, muss es schnell gehen. Die Blumen werden aus den Lagerräumen in die riesige Halle gefahren. Dort übernehmen in der Folge 600 Mitarbeiter mit "Mini-Elektrotrucks". Jede Partie Blumen kommt auf den richtigen Weg. Sie sind mit Barcodes versehen, die eingescannt werden. Die zusammengestellten Wagen enthalten genau die Blumen, die der Händler zuvor ersteigert hat. Von der Versteigerung bis zum Einladen in den Lastwagen dauert es nur zwei Stunden.
Das Treiben in der riesigen Halle ist beeindruckend. Auf dem Boden der Halle sind Fahrspuren, Mittelstreifen und Codes angebracht. Wie auf einer Stadtautobahn brausen die Elektro-Trucks durch die Halle. Trotz großem Zeitdruck kommt selten Hektik auf. Pro Tag werden bis zu 130.000 Transaktionen durchgeführt. Mehrere Millionen Blumen werden zu Ladungen zusammengestellt. Die Schnittblumen werden anschließend mittels Lastwagen in Europa verteilt oder mit dem Flugzeug in die ganze Welt geflogen. :)
Die Genossenschaft FloraHolland: Die Genossenschaft hat ca 4300 Mitglieder, über 600 davon kommen aus dem Ausland. 2017 wurde ein Umsatz von 4,7 Mrd. Euro gemacht. Davon entfielen 2,7 Mrd auf Schnittblumen, 1,6 Mrd auf Topfpflanzen und ca 400 Mio. auf Gartenpflanzen. Die Genossenschaft verlangt bei der Auktion keine Gebühren, sondern alimentiert sich über die Mitgliederbeiträge und Dienstleistungen wie Verpackungsräume und Wassereimer. Sie stellt den Züchtern und Käufern dafür die Halle als Handelsplattform zur Verfügung.